Glossar
 
Abgangsphase    
Letzte Altersphase eines Obstbaumes, gekennzeichnet durch Herabsacken der Äste, Verkahlung, Fruchtbildung nur noch im äußersten Kronenbereich. Phase mit hoher ökologischer Bedeutung, z.B. aufgrund der Bildung von Hohlräumen, Schlupflöchern u.s.w. als Lebensraum


AGOZ     
Anbaumaterialverordnung. Verordnung über das Inverkehrbringen von Anbaumaterial von Gemüse-, Obst- und Zierpflanzenarten sowie zur Aufhebung der Verordnung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten im Obstbau.

Alte Sorten     
Der Ursprung einiger Sorten läßt sich bis ins 15. Jh. zurückverfolgen, in Abgrenzung zu alten Sorten lassen sich neue Sorten als die Sorten bezeichnen, die mit der Einführung des intensiven Obstbaus Mitte des 20. Jh. für dessen Belange gezüchtet wurden.

Art     
Gruppeneinteilung von Individuen einer potentiellen Fortpflanzungsgemeinschaft, Arten im Obstbau: z.B. Malus domestica (Apfel) und Pyrus communis (Birne), Sorten sind dagegen eine Untereinheit von Arten

Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen  
gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen, um beeinträchtigende Eingriffe in Natur und Landschaft, z.B. im Zuge von Baumaßnahmen, zu kompensieren, die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts zu gewährleisten und das Landschaftsbild zu erhalten. Oft werden Streuobstwiesen als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen vorgeschlagen und umgesetzt, wobei die oft fehlende fachkundige Pflege- und Betreuung in den Jahren nach der Pflanzung ein Dauerbrennerproblem ist.
 
Baumscheibe    
Bodenbereich um den Baum, der v.a. bei Jungbäumen im Bereich der Kronentraufe bis zu einem Durchmesser von 100 cm vor um Nährstoffe und Wasser konkurrierenden Gräsern und Kräutern freigehalten werden muß.

Biologische Vielfalt    
Beinhaltet Genetische Vielfalt, sowie Vielfalt von Arten und Ökosystemen. Schutz und Erhalt, sowie eine nachhaltige und gerechte Nutzung der biologischen Vielfalt sind Gegenstand des 1992 in Rio de Janeiro verabschiedeten UN Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD). Biologische Vielfalt rückte in den vergangenen Jahren zunehmend in das Interesse der Öffentlichkeit. Die Gefährdung der biologischen Vielfalt gilt nicht nur für wildlebende Arten, sondern auch für Kulturformen, d.h. vom Menschen genutzter Pflanzen und Tiere. 

Bonitur    
Zählung oder Messung zum statistischen Erfassen von Merkmalen und Eigenschaften

Depotdünger    
Dünger, der Nährstoffe nach und nach abgibt, damit eine langfristige und bedarfgerechte Versorgung der Pflanze mit Nährstoffen bietet

Ertragsphase    
Altersphase eines Obstbaumes, gekennzeichnet durch nachlassendes vegetatives Wachstum bei verstärktem generativem Wachstum (Fruchtbildung und Ertrag)

Erwerbsobstbau    
Obstbau als Wirtschaftszweig

Extensiver Anbau    Anbau unter weitgehendem Verzicht von Mineraldünger und Pflanzenschutzmitteln

FUL    
Förderprogramm Umweltschonender Landbau in Rheinland-Pfalz, Umsetzung des Agrarumweltprogramms der EU, beinhaltet Grünlandvariante 3 mit Fördermöglichkeit von Streuobst für Landwirte und Privatpersonen

Generatives Wachstum    
Im Gegensatz zum vegetativen, dem Triebwachstum, an Fortpflanzungsorgane gekoppeltes Wachstum, d.h. Blüten- und Fruchtbildung

Handelsklassenverordnung    
Vermarktungsnorm, die sich v.a. auf äußere Qualitätsmerkmale wie Gewicht und Größe bezieht, die ohne intensive Produktionsweise oft nicht erreicht werden können. Erschwert die Vermarktung von Streuobstsorten, die in dieses Raster oft nicht reinpassen.

Herbizid    

Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von Unkräutern

Hochstamm    

Baum mit einer Stammhöhe von mind. 180 cm

Hohlkrone    

Im Gegensatz zur Pyramidenkrone Kronenform ohne dominierenden Leittrieb, sondern mit mehreren gleichberechtigten Seitentrieben

Insektizid    
Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von Insekten

Intensiver Anbau    Anbau unter Einsatz von Mineraldünger und synthetischen Pflanzenschutzmitteln zur Optimierung  und Maximierung der Produktion

Jugendphase    
Erste Altersphase eines Obstbaumes in der das vegetative Wachstum vorherrscht und gefördert werden soll und während der, im Steuobstbau, die Kronenerziehung stattfindet, Dauer der Jugendphase ca. 8 – 15 Jahre

Kleinklima    

Durch lokale Oberflächenbeschaffenheit oder Bebauung charakterisiertes Klima

Konkurrenztrieb    

Sich steil aufrichtender Trieb, der zum Leittrieb in Konkurrenz tritt, muß zugunsten des Aufbaus einer Pyramidenkrone entfernt werden

Kronenerziehung    

Schnitt- und Bindemaßnahmen zur Gestaltung der gewünschten Kronenform, d.h. im Streuobstbau zur Gestaltung einer tragfähigen Pyramidenkrone

Leguminosen    
Pflanzengattung, die frei in der Luft befindlichen Stickstoffe über symbiotisch lebende Bakterien aufnehmen und zu pflanzeneigenen Verbindungen umbauen kann, mit Leguminosen kann man daher den Boden düngen

Lokale Sorten  
Sorten mit lokaler Verbreitung, die anderswo keine Bedeutung haben bzw. nicht vorkommen

Pflanzschnitt    
Schnittmaßnahme an Wurzel und Krone, d.h. Einkürzen, zum Anregen des Wurzelwachstums und zum Herstellen eines Gleichgewichtes zwischen Wurzel- und Kronenvolumen

Pyramidenkrone    
Im Streuobstbau bevorzugte Kronenform mit durchgehendem Leittrieb (Stammverlängerung) und drei bis vier gut verteilten, kronenprägenden Seitentrieben bzw. Ästen

Regionale Sorten  
Sorten mit regionaler Verbreitung und Bedeutung, größerer Verbreitungsraum als lokale Sorten

Reiser    

Triebe oder Zweige mit gut ausgebildeten Knospen zur Veredlung

Reiserschnittgarten    

Anlage mit Bäumen, die der Reisergewinnung dienen und deshalb in besonderem Maße pflanzenhygieneischen Anforderungen Genüge leisten müssen

Resistenz    
Unempfindlichkeit von Pflanzen / Sorten gegenüber Krankheitserregern oder Schädlingen, aber auch Unempfindlichkeit von Krankheitserregern und Schädlingen gegenüber Pflanzenschutzmitteln

Re-Sorten    
Apfelsorten aus dem Züchtungsprogramms des Institutes für Obstzüchtung in Dresden Pillnitz, die insbesondere auf Resistenzen gzüchtet wurden

Robustheit    

Sammelbegriff für Unempfindlichkeit gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen, inklusive Krankheiten und Schädlingen

Sommerschnitt    

Schnittmaßnahmen im Sommer, zur Kronenerziehung oder zur Regulierung des Wachstums

Sorte    

Varianten innerhalb Art, Sorten im Obstbau: z.B:  Apfelsorten: Adersleber Kalvill, Boskoop, Gelber Edelapfel

Sortengarten    

Sortenanlage mit Sorten einer oder mehrerer Arten zum Erhalt, der Beobachtung und Vermehrung der Sorten

Standjahr    

Jahre ab der Pflanzung an ein und demselben Standort, das erste Standjahr entspricht der ersten vollständig erlebten Vegetationsperiode

Staunässe   

freies Wasser in wassergesättigtem Boden, das nicht abfließen kann, Staunässe führt Fäulnis der Wurzeln

Streuobstbau    

Traditionelle Form des extensiven Obstbaus, geprägt durch hochstämmige Obstbäume und Unternutzung des Grünlands

Unterlage    

Wurzeltragender Bestandteil veredelter Plfanzen, beeinflußt als stark oder schwach wachsende Unterlage Wachstumverhalten der Edelsorte bzw. des ganzen Baumes, im Streuobstbau werden daher stark wachsende Unterlagen gefordert

Untersaat    

Vegetation unter und zwischen Streuobstbäumen, meist als Grünland zur Futterproduktion oder als Weide

Vegetationsperiode    

Jahreszeit, in der Pflanzenwachstum stattfindet (etwa März bis Oktober)

Vegetatives Wachstum    
Wachstum von Trieben, Blättern u.s.w. durch einfache Zellteilung und Differenzierung ohne Geschlechtszellen

Winterschnitt    

Schnittmaßnahmen im Winter meist zur Kronenerziehung meist Ende Februar, Anfang März

Wurzelschnitt    

Schnitt an den Wurzeln, meist vor der Pflanzung um verletzte Wurzelteil zu entfernen und gleichzeitig Wurzelwachstum anzuregen, neben Rückschnitt der Triebe Bestandteil des Pflanzschnittes

Zwiesel    

Wuchsform von Trieben, die zu eng nebeneinander stehen und sich gegenseitig in ihrem Wachstum behindern, Zwiesel führen zum Abschnüren der Äste und erhöhen die Bruchgefahr