Sortenwahl
 
Fachgruppe Streuobst Rheinland-Pfalz

Die Sorteninformationen im Streuobstanbau reichen meist nicht aus, um eine umfassende Empfehlung, wie dies bei Sorten im Erwerbsobstbau üblich ist, zu geben. Auch Baumschulen sind dann überfordert, wenn sie hunderte von Sorten für den Verkauf vorhalten sollen. In Ausschreibungen und sonstigen Anfragen werden häufig ausgefallene oder unbekannte Sorten verlangt.

Im Juli 1996 wurde die „Fachgruppe Streuobst Rheinland-Pfalz“ gegründet. Bei der Fachgruppe Streuobst handelt es sich um einen Personenzusammenschluß, der sich um die Erhaltung und Förderung des Streuobstanbaues bemüht. Sie besteht aus Vertretern von Behörden, der Wirtschaft, Vereinen und sonstigen Institutionen.

Im einzelnen sind dies:

Baumschulbetriebe (Obstbaumschulen): Weil (Ingelheim), Oberholz (Freinsheim), Jakoby (Tünsdorf)

Keltereien: Neu (Freinsheim), Schwaab (Koblenz), Weber (Höhr-Grenzhausen)

Naturschutzverbände: NABU, GNOR

Streuobstinitiativen: BITZ, FÖG

Pomologenverein, Arbeitskreis Historische Obstsorten der Pfalz

FUL-Berater (FUL-Streuobst Geschäftsbereich Ministerium für Umwelt und Forsten, Mainz)

Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (DLR) mit landwirtschaftlicher bzw. obstbaulicher Beratung (ehemalige SLVA Ahrweiler und SLFA Neustadt)

Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (DLR) mit ländl. Bodenordnung (ehemalige Kulturämter Simmern, Trier und Worms bis 01.09.2003)

Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht, Oppenheim

Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück; Dienstsitz Mainz ( ehemals Landesanstalt für Pflanzenbau und Pflanzenschutz Rheinland-Pfalz, Mainz

Die Koordination innerhalb der Fachgruppe obliegt der DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück

Info: Zum 01.09.2003 wurden im Rahmen der Agrarverwaltungsreform unter anderem die Kulturämter, die Staallichen Lehr-und Vesuchs(Forschungs)anstalten und die Landesanstalten in Rheinland-Pfalz aufgelöst.


Die Fachgruppe hat im Jahr 1996 nach einer Liste von Auswahlkriterien eine „Vorläufige Sortenempfehlung für den Streuobstanbau in Rheinland-Pfalz“ vorgenommen. Bei dieser ersten, gemeinsamen Liste auf breiter Ebene gab es viele gegensätzliche Ansichten. Daher einigte man sich oft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Inzwischen gab es zu den Sorten weitere Erkenntnisse, nicht zuletzt auch durch private Aktivitäten seitens der Vereine/Verbände und dem Streuobst-Landessortengarten. Der Entwurf einer überarbeiteten Sortenempfehlung, die vom NABU, Pomologen-Verein, Arbeitskreis Historische Obstsorten der Pfalz und GNOR erstellt wurde, ist in der Fachgruppe Streuobst Rheinland-Pfalz vorgestellt und in den Jahren 2002 und 2003 besprochen worden.

Die Sortenempfehlung für den Streuobstanbau in Rheinland-Pfalz besteht aus einer Landesliste und einer Regionalliste. Wegen inhaltlichen und redaktionellen Überarbeitungen zu der Liste und zu erklärenden Texten konnte die Liste bislang nicht veröffentlicht werden.

Bei den Besprechungen in der Fachgruppe zeigte sich, daß nicht alle Sorten unbedingt empfehlenswert sind. Der Ausspruch „Alte Sorten sind gleich gute Sorten“ stimmt so nicht, denn viele alte Sorten, auch nicht alle neuen Sorten sind nicht für die Hochstamm-Pflanzung geeignet. Gesucht sind vitale und widerstandsfähige Sorten, um so zu einer wüchsigen und intakten Streuobstwiese mit möglichst hoher ökologischer Bedeutung zu kommen. Voraussetzungen hierfür sind natürlich auch der richtige Standort und die notwendigen Pflegemaßnahmen. Bei Regional- und Lokalsorten zeigt sich ein weiteres Problem: Die Frage ist zu klären, inwieweit handelt es sich wirklich um eigenständige Sorten oder sind es andere bekannte Sorten bzw. Typen, die einen anderen, meist lokalen Namen erhalten haben. Um jedoch aus pomologischer Sicht möglichst viel Sortenmaterial zu erhalten, sind in der Landes- und Regionalliste auch die Sorten ohne eindeutige Herkunft und Klärung bezüglich eines möglichen Synonyms aufgenommen worden. Ein anderes Problem stellt dann die Beschaffung dieser Sorten aus den Baumschulen dar. Neue Sorten zeichnen sich meist durch Resistenz gegenüber Krankheiten oder Schädlingen aus. Hier sind zu nennen beim Apfel die Schorf- und Mehltauresistenz und bei Zwetschen/Pflaumen die Scharkatoleranz bzw. Scharkaresistenz.

Kontakt: Johann Schierenbeck
Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR)
Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Dienstsitz Mainz
Essenheimer Str. 144, 55128 Mainz
eMail: johann.schierenbeck@dlr.rlp.de